Vademecum Notfallmedikamente
Weixler Dietmar
148 Seiten, broschiert
ISBN 3-85076-534-2
EUR 14,50
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Über dieses Buch:

Das kurzgefaßte und praxisorientierte Handbuch:
• Dosierungen
• Indikationen
• Kontraindikationen
• Pharmakologische und physiologische Grundlagen
• Praktische Tips eines erfahrenen Notarztes
• Register der klinischen Symptome

„Die ... enthaltenen Hinweise eines erfahrenen Notarztes sind das Wertvolle,
das dieses Kompendium über eine bloße Medikamentenzusammenstellung stellt.“

Prim. Dr. W. Buchinger
Generalsekretär d. Österr. Ges. f. Unfallchirurgie
„... wird bei Ärzten aufgrund der Kompaktheit gut ankommen.“
Prim. Univ.-Prof. Dr. W. Ilias
Ärztekammer für Wien / Referat für Notfallmedizin
„... eine gute und wichtige Ergänzung gängiger Lehrbücher der Notfallmedizin ...“
Ao Univ.-Prof. Dr. O. Kwasny
Präsident der Österr. Ges. f. Notfall- u. Katastrophenmedizin
„... eine unverzichtbare Informationsquelle für Ärzte und Studenten,
die sich notfallsmedizinischen Herausforderungen stellen müssen ...“

Ao Univ.-Prof. Dr. F. Mühlbacher
Vorstand der Univ.-Klinik für Chirurgie, AKH Wien

Textauszüge:

NOTFALLMEDIKAMENTE

L-Adrenalin „Fresenius“ spritzfertig
0,01 % (1:10.000) – Ampullen®

(Adrenalin)
1 A = 0,5 mg = 5 ml

Adrenozeptor-Agonist mit Wirkung auf beta-1-, beta-2 und -alpha-Rezeptoren
– und dies dosisabhängig:
in niedrigen Dosen:
beta-2-Aktivierung (v. a. der Blutgefäße der Skelettmuskeln),
Vasodilatation, Sinken des peripheren Widerstands, MAP
bleibt annähernd konstant durch beta-1-Aktivierung mit Anstieg
von Herzfrequenz, -kontraktilität, Schlagvolumen und systolischem RR
in hohen Dosen:
Überwiegen der alpha-Rezeptor-Aktivierung mit Vasokonstriktion,
Ansteigen des peripheren Widerstandes und des MAP
Adrenozeptoren in fast allen Geweben


Therapeutische Bedeutung haben Rezeptoren:
Bronchialsystem: beta-2-Rezeptoren – Relaxation der glatten Muskulatur,
Hemmung der Mediatorfreisetzung (z. B. Histamin)
Herz: beta-1: positiv inotrop, chronotrop, bathmotrop und dromotrop
Schleimhäute: Vasokonstriktion (alpha)
Blutgefäße: alpha-Rezeptoren: Vasokonstriktion, beta-Rezeptoren: Vasodilatation

Weitere Wirkungen:
Hypokaliaemie durch Kaliumshift nach intrazellulär
Ketoazidose durch gesteigerte Lipolyse
Laktatazidose, Hyperglykaemie durch gesteigerte hepatische Glukoneogenese
Beim wachen Menschen: Angst, Nervosität, Blässe, Palpitationen,
pektanginöse Schmerzen, Kopfschmerzen
Wirkungseintritt: i.v. sofort, i.m., s.c., topisch in Minuten
Beachte:
Das Präparat ist gebrauchsfertig – muß nicht verdünnt werden!

I:
1. Herzkreislaufstillstand
2. Anaphylaxie
3. therapierefraktäre Hypotension
4. vital bedrohliche Schleimhautblutungen im HNO-Bereich (topisch!)
5. Asthma bronchiale, Krupp, Epiglottitis (inhalativ!)

DO:
1. Herzkreislaufstillstand:
Erw.: 5–10 ml (= 0,5–1 mg) (= 1–2 A) i.v.
(endotracheal 3–fache Dosis)
Repetition entsprechend des gültigen Algorithmus
(guidelines for advanced life support of the European
Resuscitation Council)
Kinder: 0,1 ml/kg KG (= 0,01 mg/kg KG)
(Beispiel: 25 kg: 2,5 ml)
(endotracheal 3x i.v. Dosis – kann bei Ineffektivität
bis 10x i.v. Dosis gesteigert werden)
2. Anaphylaxie:
Erw.: 0,1–0,25 mg (-0,5 mg) i.v.
(= 1–2,5 [-5ml])
anschließend Dauerinfusion mit 2–4 µg/min
(praktisch 2 ml + 48 ml NaCl in Perfusorspritze:
30–60 ml/h) (1 ml = 4 µg)
3. therapierefraktäre Hypotension:
Erw.: 2 µg/min (s. o.) – Steigerung bis Effekt auftritt
4. bedrohliche Schleimhautblutungen:
sterilen Tupfer mit Adrenalin beträufeln und
Blutungsquelle komprimieren
Beachte: danach reaktive Hyperaemie
5. Asthma bronchiale, Krupp, Epiglottitis,
Glottisoedem, ...:

Vernebeln von Adrenalin im Pariboy- oder Bennettvernebler
(1 A + 15 ml NaCl / davon 5 ml in Reservoir des Verneblers
– mit Sauerstoff 10 l/min vernebeln)

Beachte:
– Die Anwendung von Adrenalin erfolgt naturgemäß unter EKG und RR-Ko.
– Intrakardiale Injektionen sind obsolet.
– Bei endotrachealer Anwendung ist mit einer Verzögerung
des Wirkungsbeginns zu rechnen.
Adrenalin NIE mit Na-Bicarbonat zusammenbringen
(wird im alkalischen Milieu inaktiviert)

Bei Überdosierung:
(RR-Anstiege, die unsere Vorstellungskraft übersteigen!
z. B. 350/170 mmHg – schon gesehen!)
Ther.: Alpha-Blocker (Ebrantil®)
bei Tachyarrhythmien: Betablocker (Beloc®, Breviblock®)
Beurteilung der Präparation: Im Niedrigdosisbereich (Kinder,
Anaphylaxie, Hypotension) sehr vorteilhaft, da es nicht
verdünnt werden muß – bei einer längerdauernden CPR beim
Erwachsenen sind die 1:1000 – Präparationen praktikabler (Suprarenin®).

Lysthenon®
(Suxamethonium, Succinylcholin)
1 A = 100 mg = 5 ml


Depolarisierendes
Muskelrelaxans mit raschem Wirkungseintritt
und kurzer Wirkungsdauer
(das einzige klinisch verwendete depolarisierende Muskelrelaxans)


Wirkungsweise: „imitiert“ die Wirkung von Acetylcholin an
der motorischen Endplatte, löst Depolarisation aus –
Depolarisationsblock – nicht antagonisierbar durch
Hemmstoffe der Cholinesterase (praktisch: nach
Injektion: „point of no return“)

Wirkungseintritt:
30–60 sec, Dauer 2 min, Abklingen nach 8–10 min

I:
Intubation zur Notfallnarkose

DO:
Verabreichung: langsam i.v., (wenn kein Venenweg
notfalls i.m.)
1 mg/kg i.v. (Beispiel: 70 kg = 3,5 ml = 70 mg)
bei Kindern höhere Dosis notwendig: 1–2 mg/kg
(Beispiel: 10 kg = 1 ml = 20 mg)
(2,5 mg/kg i.m. – verzögerter Wirkungseintritt)


multiple NW!
NW:
vor Eintritt der schlaffen Lähmung der Skelettmuskulatur
Auftreten von Muskelfaszikulationen in typischer Reihenfolge:

1. Augenlider, 2. Kaumuskeln, 3. Extremitätenmuskeln,
4. Bauchmuskeln, 5. Larynx, Zwerchfell;
dadurch und durch Erhöhung des Tonus im Gastronintestinaltrakt:
Aspirationsgefahr! (Maßnahmen: Praeoxygenieren,
Oberkörperhochlagerung, nicht Maskenbeatmen,
Sellickmanöver)
Laryngospasmus, Masseterspasmen;
durch Stimulation der cholinergen autonomen
Ganglien:
Hypersalivation (Sauger!), gesteigerte bronchiale
Sekretion, Bronchospasmus, Bradykardie bis
Asystolie (v. a. b. Kindern, rascher und wiederholter
Verabreichung), Tachykardie, Arrhythmien, Kammer
flimmern, Blutdruckabfall – mitbedingt durch exzessive
Kaliumfreisetzung aus der Muskulatur (es wurden
Kaliumwerte bis zum 5fachen der Norm gemessen!)
gesteigerter ICP und intraokulärer Druck
allergische Reaktionen

zu lebensbedrohlichen Hyperkaliaemien disponieren:
Verbrennungskrankheit (ab 6. Tag), Polytrauma
(ab 3. Tag), Sepsis, deinnervierende Krankheiten
(Querschnitt, Muskeldystrophien), Immobilisierung
und Katabolie
Succinylcholin ist ein typischer Trigger der Malignen
Hypertonie (MH)

Kein Aufrechterhalten der Muskelrelaxierung mit
Succinylcholin!

(erhöhtes Risiko von Bradykardie/Asystolie:
Nach Intubation Wechsel auf ein nichtdepolarisierendes
Muskelrelaxans)

Der Notfallpatient ist nicht nüchtern
(Aspirationsgefahr)!

Vor Lysthenongabe bzw. Induktion der Notfallnarkose
sicherstellen, daß alle Instrumente bereitstehen und
funktionieren.

 

Paspertin®
(Metoclopramid)
1 A = 10 mg = 2 ml
Dopaminantagonist (zentral und peripher)
Antiemetikum

Wirkung:
1. gastrointestinale Motilität: Relaxation des Pylorus, Druck
des unteren Ösophagussphinkters erhöht sich, propulsive
Motorik im Antrum wird verstärkt
2. zentral (Area postrema): Interaktion mit 5-HT3 und
4-HT3-Serotoninrezeptoren

Wirkungseintritt: 5–10 min, Dauer 60 min

I:
Nausea, Emesis, Migräne
DO:
0,15 mg/kg
Praktisch: 1 ml langsam i.v., 1 ml in Infusion (Erw.)
Kinder: strenge Indikationsstellung! 0,1 mg/kg
(1 A auf 10 ml verdünnen)

NW:
Dyskinesien, v. a. bei Kindern und Jugendlichen
(Antidot: Akineton®, S. 14)
Erregung, Unruhe, Verwirrung, Krämpfe, Müdigkeit

KI:
Ileus, Epilepsie, Phäochromozytom, Obstruktionen im Magen/Darm
Säuglinge und Kinder bis 2a
CAVE: M. Parkinson (Dopamin!)

Vermeide:
gleichzeitige Gabe von Neuroleptika (z. B. Haldol®, DHBP®
als Antiemetika) (2 Substanzen mit Einfluss auf die Extrapyramidalmotorik)
Beachte:
Anticholinergika schwächen die Wirkung von Metoclopramid ab (Buscopan, ...)

Ringerlaktat
500 ml/1000 ml Infusionslösung
Kristalloides Volumenersatzmittel

DIE Infusionslösung in Anaesthesie und Notfallmedizin!

Ringerlaktat diffundiert frei durch die Kapillarmembranen –
daher gehen ca. 75 % des zugeführten Volumens nach
30–40 min ins Interstitium.
Praktisch bedeutet das, dass der Bedarf an Kolloiden 4x dem
Verlust entspricht
(Beispiel: geschätzter Blutverlust 200 ml – 800 ml Infusion)
alkalisierender (!) Effekt des Laktat!
(bindet H-Ionen, Verstoffwechslung zu Milchsäure in der
Leber (bis zu 10 g/h, abhängig von der Leberdurchblutung –
dies führt zu einer Bicarbonateinsparung und zu einer Entlastung
des Bicarbonat-Kohlensäure-Kohlendioxid-Puffersystems)

I:
Volumenersatz bei Blutverlusten von weniger als
10 % des Blutvolumens
Trägerlösung für Pharmaka
„Bypassinfusion“ zur Spritzenpumpe

KI:
schwere Leberfunktionsstörungen
Hyperhydration/Ödeme/dekompensierte Herzinsuffizienz
Vorsicht bei Kindern!
Gefahr der Hyperhydratation!

Empfohlenes Vorgehen bei Hypovolamie bei Kindern:
– Evaluation des Therapieeffektes (Puls, Hautfarbe, Bewußtsein, ...)
– wenn Zeichen der Minderperfusion persistieren: noch einmal 20 ml/kg

20 ml/kg so rasch als möglich (weniger als 20 min)
Volumenlimits in der ersten Stunde bei Kindern:
40 (– 60) ml/kg beim hypovolaemen Schock
60 (– 80) ml/kg beim septischen Schock
Hinweis: Hypotension tritt bei Kindern erst spät und
plötzlich auf (Dekompensation des Schocks!)

Vendal®
(Morphium)
1 A = 10 mg = 1 ml


Opiat (µ- und kappa-Rezeptoren im limbischen System, Thalamus,
Hypothalamus, Striatum, Mittelhirn und Rückenmark
– sowie peripher an den Zellen der Nozizeptoren)

Wirkung:
Analgesie
Sedierung
Veränderung der Stimmungslage
Veränderung kognitiver Funktionen
Atemdepression
Dämpfung des Hustenreflexes
Miosis


Wirkung dosisabhängig. Morphium ist relativ hydrophil, das
hat zur Folge, dass der Wirkungseintritt eher langsam ist,
da die Substanz eher langsam in das ZNS eintritt, die Wirkung
hält aber relativ lange an.

Wirkungseintritt: i.v.: 10 min, Dauer 4 h
Praktisch: 1 A verdünnt auf 10 ml (dann ist 1 ml = 1 mg),
titrierend, Beginn mit 2–3 ml, dann alle 5–10 min 2 ml bis
zur deutlichen Schmerzreduktion

Kein ceiling-Effekt = es gibt keine Maximaldosis.
Das Suchtpotential in der Schmerztherapie ist praktisch Null!

Analgesie:
kontinuierlicher, dumpfer Schmerz wird besser gedämpft als
scharfer, intermittierend einschießender oder kolikartiger
Schmerz
Mitbeeinflussung der affektiven Schmerzbewertung
Morphium ist Referenzsubstanz für die analgetische Potenz
(Morphium = 1)

Atemdepression:
durch verminderte reflektorische Erregbarkeit des Atemzentrums
im Hirnstamm auf einen Anstieg des pCO2
klinisch: 1. Abnahme der Atemfrequenz
Atemdepression maximal:
i.v.: nach 7 min
i.m. nach 30 min
s.c. nach 90 min
Voraussetzung für eine Atemdepression ist, dass mehr Opiat
verabreicht wurde, als für die bestehenden Schmerzen adäquat
war. (Geringste Gefahr bei titrierender i.v. Gabe und
Überwachung der Atemfrequenz u. SaO2).
Fixe Therapieschemata sind entweder arm an Nutzen oder
gefährlich – individuelle Dosierung!
Der Analgetikabedarf ist inter- und intraindividuell nicht vorhersehbar.
(d. h. bei zwei identischen Eingriffen an einem
Individuum kann der Analgetikabedarf variieren).

Nausea, Emesis:
durch direkte Stimulation der Chemorezeptorentriggerzone in
der Medulla oblongata. Im NAW kommt während des Transportes
eine vestibuläre Irritation dazu –
Praktischer Tip: 1 A Paspertin® prophylaktisch in Bypassinfusion
Muskelrigidität: 60–90 sec nach rascher i.v. Injektion
Hypotonie durch:
Wegfall des cardiovaskulären Stressresponse

„Demaskierung“ einer bestehenden Hypovolaemie
venöses pooling
Histaminfreisetzung
Histaminfreisetzung, Juckreiz: wird durch die kombinierte
Verabreichung von H-1- und H-2-Blockern abgeschwächt,
Vorsicht beim Asthmatiker!
Veränderte Herzfrequenz: meistens Bradykardie durch
Hemmung zentraler sympathischer Efferenzen und Vagusstimulation
(zentral und am Sinusknoten).
Tachykardie selten (reflektorisch auf RR-Abfall? Histamin?)
Spasmus des Sphincter Oddi: Morphium ist bei Gallenkolik
und akuter Pankreatitis nicht indiziert.
Harnverhalten und Harndrang: durch Tonuszunahme der
Mm. detrusor und spincter vesicae.

Erwünschte Wirkungen beim akuten Myocardinfarkt:
1. Drucksenkung im pulmoarteriellen Kreislauf
2. Reduktion des myocardialen Sauerstoffbedarfs
3. zentrale Analgesie
4. Steigerung des koronaren Blutflusses
5. zentrale Hemmung sympathischer Efferenzen
6. verminderte Sensibilisierung des Myocards gegenüber
Katecholaminen
7. lange Wirkungsdauer

Morphium ist im NAW unverzichtbar!

KI:
Zustände und Bedingungen, bei denen eine Atemdepression
vermieden werden muß:
Wehen- und Geburtsschmerz (Neugeborenes!)
respiratorische Insuffizienz bei COPD
akute Pankreatitis
Gallenkolik

Morphium ist nicht indiziert bei:
– Koliken im Bereich der ableitenden Harnwege
– Migräne
– neuropathischen Schmerzen
Vorsicht bei:
– Asthma bronchiale
– vorheriger Anwendung sedierender Substanzen (Alkohol, ...)
oder
– zusätzlicher Verabreichung sedierender Substanzen (Benzodiazepine, ...)